Über die erzieherische Relevanz gerade des traditionellen Karatedo und seine besonderen Möglichkeiten der Persönlichkeitsförderung im Kontext von Pädagogik und Therapie wurde in diesem Heft schon wiederholt berichtet.
In den Beiträgen "Karate und Karate-Do. Vom Wesen des Budo" in JKA-KARATE 2/2001 (S. 26-28) und 3/2001 (S. 26-27), "Karate für Jungs: Warum aus budopädagogischer Sicht gerade Karate einen geschlechtsspezifischen Beitrag zum Gewaltabbau leistet" in JKA-KARATE 2/2002 (S. 18-20) oder "Karate-Do als Anti-Aggressivitäts-Training" in JKA-KARATE 2/2004 (S. 35-40) und "Karate-Do in Pädagogik und Therapie" in JKA-KARATE 3/2005 (S.44) widme sich die Zeitschrift als Fachorgan des Verbandes für Traditionellles Karate der Beleuchtung des dem Karate vor allem als Kampfkunst (im Sinne des Do) innewohnenden Potentials.
Gerade diese Hintergründe sind es, auf denen die Theorie und Praxis der neu entwickelten Budopädagogik fußt, in der eben (neben diversen anderen Budokünsten) auch Karatedo systematisch als eine neue Methode der Behandlung, Betreuung und Beratung in der Kinder- und Jugendarbeit sowie Therapie und dem Coaching eingesetzt wird.
Schon seit Mitte der 80iger Jahre arbeiteten Pädagogen, Psychologen und Kampfkunstlehrer an einem erziehungs- und sportwissenschaftlich fundierten Unterrichtskonzept, asiatische Kampf- und Bewegungskünste (hier kurz Budo) im Kontext erzieherischer, sozialer und therapeutischer Felder einzusetzen. Mit ersten fachspezifischen Fortbildungsreihen für Sozial- und Jugendarbeiter, Sportlehrer, Trainer und Fachübungsleiter, die von den unterschiedlichen Kampfsportverbänden anerkannt oder gar gefördert wurden, entwickelten die Pioniere auf diesem Gebiet dann schließlich die berufsqualifizierende Weiterbildung zum Budopädagogen© / zur Budopädagogin©.
An dem nun seit 1999 erfolgreich durchgeführten Studienseminar "Budopädagogik"©, das zunächst in Kooperation mit der "Internationalen Arbeitsgemeinschaft Budo in Pädagogik und Therapie (BPT)" und später auch dem neu gegründeten Deutschen Institut für Budopädagogik (IfBP) am Bayerischen Institut für Jugendarbeit Gauting in Gauting bei München angeboten wird, haben auch sehr viele Karateka, vor allem aber besonders traditionell ausgerichtete wie z.B. aus dem Deutschen JKA-KARATE BUND teilgenommen.
 |
Hier werden die ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die entsprechend der offiziellen Weiterbildungsleitlinien entweder aus erzieherischen und therapeutischen oder artverwandten Berufen kommen und gleichzeitig ausreichende Kampfkunsterfahrung vorweisen oder aber im Kinder- und Jugendtraining tätige und erfahrene Budolehrer sind, in der neuen Disziplin der Budopädagogik theoretisch und praktisch geschult.
Durch Fachvorträge, Workshops, Praktika, Hospitationen, Übungen und persönliche Anleitung werden sie in 9 Wochendveranstaltungen an insgesamt 31 Tagen berufsbegleitend über 1,5 Jahre qualifiziert, Budo als effektive Methode in Pädagogik (Sozial-, Sonder-, Heil- und Schulpädagogik) und Therapie (Sport-, Körper- und Psychotherapie) oder auch im Coaching (Beratung, Managertraining) einzusetzen. Daran wirken renommierte Wissenschaftler (Professoren, Doktoren und Forscher verschiedener Fachgebiete und Universitäten), anerkannte Experten der fachlichen Nachbar- und Randgebiete sowie erfahrene Praktiker und vor allem auch hochrangige Kampfkunstmeister und Budolehrer mit, die als Referenten die Weiterbildung inhaltlich und konzeptuell untermauern und flankieren.
Thematisch sind neben der Theorie und Praxis des Budo als Weg der persönlichen Schulung durch Bu, Do, Dojo, Reigi, Shitei, Zen (Yoga, Meditation und Spiritualität), der Geschichte und Philosophie der Kampfkünste (Taoismus, Buddhismus, Konfuzianismus), der traditionellen und modernen Lehrmethodik und –didaktik (Ishin-Denshin, Shu-Ha-Ri, Omote-Okuden) auch grundlegende Erkenntnisse aus Sport- und Erziehungswissenschaft, Psychologie, Medizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Soziologie usw. oder erfolgreiches Projektmanagement für die angehenden Budopädagogen zu vermitteln. |
Auch vorbildliche Ansätze aus Heimerziehung, Strafvollzug, Psychiatrie, in denen Budo eingesetzt wird, werden vorgestellt und es kommen auch Betroffene (Mitarbeiter und Klienten) zu Wort, um am Ende für ein möglichst umfassendes Wissen und Know how der Teilnehmer zu sorgen.
Nach mittlerweile 4 erfolgreichen Kursen haben etwa 80 Absolventen aus ganz Deutschland sowie einige aus Österreich und der Schweiz, die nahezu alle asiatischen Budo-Kampfkünste vertreten, dank ihres Abschlusses als Budopädagoge oder Budopädagogin ihre berufliche Tätigkeiten und Perspektiven deutlich verbessern können. Fast alle Absolventen arbeiten erfolgreich auf ihrem Spezialgebiet und bieten entweder Kurse an wie z.B. "Karatedo gegen Gewalt", "Aikido mit Blinden", "Judo in der Jugendpsychiatrie", "Zen für Kinder mit ADS-Störung" oder "WT für Missbrauchsopfer" oder arbeiten effektiver in Schule, Knast oder Heim, oder sie richten im Sportverband und Verein gezielt besondere Lehrgänge für Kinder und Jugendliche aus, beraten soziale Einrichtungen und coachen als Personaltrainer in großen Unternehmen oder haben eigene Gruppen oder gar Dojo mit besonderer Ausrichtung in Hinblick auf systematische Persönlichkeitsförderung durch Budo gegründet. Organisiert sind viele in dem neugegründeten Berufsverband der Budopädagogen (BvBP e.V.), der ihre berufspolitischen Interessen auf dem Arbeitsmarkt vertritt und mit dem Institut für Budopädagogik auch für die Qualitätssicherung sorgt.
Da zunehmendes internationales Interesse an der Budopädagogik als neue Methode und somit auch an der Weiterbildung zum neuen Beruf besteht wird neben dem nächsten Kurs, der in Gauting im Juli 2007 beginnen und im März 2009 enden wird und dessen Bewerbungsphase gerade jetzt läuft, auch ein weiteres Angebot für die Schweiz geplant, das ebenfalls 2007 beginnen soll. Gerne sind die Leser hier eingeladen und als Teilnehmer und Teilnehmerinnen wieder herzlich willkommen. Infos unter www.budopaedagogik.de und www.institutgauting.de.
Dr. phil. Jörg-M. Wolters Institut für Budopädagogik
Tilsiter Str. 11
21680 Stade
Fon/Fax: 04141-62657 |